Kaufmann für Digitalisierungsmnagement - lohnt sich das?

Kaufmann für Digitalisierungsmnagement - lohnt sich das?

TLDR: Es lohnt sich, wenn du breites IT-Interesse hast, gerne Brücken baust zwischen Technik und Wirtschaft und dir Spezialisierung auf ein Feld noch schwerfällt. Lohnt sich weniger, wenn du schon weißt, dass du reine Softwareentwicklung oder reines Netzwerk-Engineering machen willst. Für mich hat es sich gelohnt, weil ich es liebe mehrere Disziplinen miteinander zu verbinden.


Mitte 2026 habe ich meine Ausbildung zum Kaufmann für Digitalisierungsmangement abgeschlossen. Damals konnte ich nicht viele Erfahrungsberichte zu diesem Ausbildungsberuf im Netz finden. Aus diesem Grund möchte ich teilen, wie ich die Ausbildung in diesem Beruf wahrgenommen habe.

Aufgaben des Kaufmann für Digitalisierungsmanagement

Kurzgesagt ist der KfmDM ein IT-Beruf mit breitem Fokus. Am Ende der Ausbildung ist man zu den meisten IT-Themen aussagekräftig und kann Entscheidungen basierend auf wirtschaftlichen Kennzahlen treffen. Dies ist auch nötig, da das Ziel des Berufs, es ist Geschäftsprozesse zu digitalisieren und zu optimieren. Im Grunde ist man Schnittstelle zwischen IT-Experten und Stakeholdern.

Zu den Ausbildungsinhalten zählen unter anderem:

  • Rechnungswesen
  • Vertragsarten & Gestaltung
  • Programmieren
  • Datenbanken & SQL
  • Prozessmodellierung
  • Netzwerke
  • Datenschutz

Betrieb vs Rahmenlehrplan

Es kommt auf den Ausbildungsbetrieb an, wie man im Betrieb eingesetzt wird. Zwischen den Auszubildenden gab es keine Schnittmenge im Bezug auf die Tätigkeiten, die wir im Betrieb durchführten. Einige von uns hatten nur mit Hardware zu tun, andere arbeiteten klassisch im Support, ein weiterer war im Bereich Consulting unterwegs und mein Betrieb setzte mich größtenteils im Bereich Web Development ein.

In der Berufsschule wurde offensichtlich, dass wir im Betrieb nicht alles taten, was diese Ausbildung mit sich bringt. Es kam oft vor, dass Lehrer überrascht waren, dass wir im Betrieb keine Berührungspunkte mit gewissen Tätigkeiten hatten.

Bei mir war es das Thema Rechnungen und Bilanzen, die ich den drei Jahren hauptsächlich nur in der Schule bearbeitete. Im Betrieb wurde ein größerer Fokus auf das Schärfen meiner Programmierfähigkeiten, sowie UX - Kenntnisse gesetzt.

Das bedeutete, dass ich mich mit dem Kernthema des Digitalisierungsmanagers - dem Digitalisieren und Verbessern von Geschäftsprozessen - erst zum Schluss meiner Ausbildung im Rahmen meiner Abschlussarbeit befasste. Im Gespräch mit meinen Mitschülern fiel auf, dass ich damit nicht alleine war.

Aber spätestens mit dieser Abschlussarbeit holt einen das Kernthema ein. Ich erarbeitete ich ein Konzept zur Verbesserung eines Verwaltungsprozesses. Dabei war ich in der Lage Kundenanforderungen aufzunehmen, den IST Prozess zu dokumentieren, ein Angebot zu schreiben und einen optimierten SOLL Prozess zu entwerfen. Darüber hinaus kümmerte ich mich um das Projektmanagement und die Übergabe an das Entwicklerteam.

Auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass die Kluft zwischen betrieblicher Arbeit und Berufsschule kleiner gewesen wäre, hat die duale Berufsausbildung hier funktioniert. Ich konnte mir in einer Domäne Expertenwissen aneignen, da ich aktiv damit gearbeitet habe, wurde aber gleichzeitig in der Berufsschule mit vielen IT- und Wirtschaftsgrundlagen konfrontiert. Das hat mir erlaubt, alles in einem größeren Kontext zu sehen und mich auch in neue Themenbereiche schnell einzuarbeiten.

Der KfmDM im Vergleich mit anderen IT-Berufen

Vergleichen werden wir den KfmDM mit dem Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, dem Systemelektroniker und dem Fachinformatiker für Systemintegration

Aufgabenbereich

Wie bereits gesagt ist der KfmDM Bindeglied zwischen IT Fachleuten und Stakeholdern. Er ermöglicht Kommunikation zwischen diesen Gruppen, da er sowohl die Fachsprache der IT versteht, als auch wirtschaftliche Gegebenheiten nicht aus den Augen verliert.

Einstiegsgehalt

Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit zeigt, dass die Gehaltsmediane des KfmDM und des Fachinformatikers Anwendungsentwicklung, sowie Systemintegrations nicht so weit auseinander gehen. Tatsächlich liegt der KfmDM sogar circa 300€ über dem Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung

  • KfmDM: 4.748 €
  • Fachinformatiker AE: 4.449 €
  • Fachinformatiker SI: 4.978 €

Stand Juni 2026

Ob das der eigenen Realität entspricht hängt ganz vom Verhandlungsgeschick ab.

Arbeitsmarktnachfrage

Ich behaupte, dass der KfmDM nicht so stark von der momentanen Flaute beim IT-Arbeitsmarkt betroffen ist wie andere. Dennoch ist es nicht leicht eine passende Stelle zu finden. Gerade weil es den Beruf "Digitalisierungsmanager" so nicht gibt. Es gilt sich zu orientieren. Mitunter passen die erlernten Fähigkeiten zu einem Jobtitel von dem man es nie gedacht hätte. ( Schon mal etwas von einem Pipeline Artist gehört?)

Bewerbung nach der Ausbildung

Durch das breite Aufgabenspektrum, dass man als Kaufmann für Digitalisierungsmanagement erfüllen kann hat man eine große Auswahl an möglichen Stelle.

Das ist zum einen ein großer Vorteil, da man sich sowohl auf kaufmännische, als auch auf IT Berufe bewerben kann, aber eben auch auf die Stellen, die das erlangte "Cross - Domain" Wissen verlangen. Der Nachteil ist, dass man oftmals nicht so tief in der Materie steckt wie ein hochspezialisierter Ausbildungsberuf.

Der KfmDM kann kaufmännische Tätigkeiten übernehmen, aber hat nach der Ausbildung weniger Erfahrung als ein Industriekaufmann. Man kann sich auf eine Stelle als Softwareentwickler bewerben, konkurriert dann aber mit den Fachinformatikern für Anwendungsentwicklung. Hier gilt es dann im Bewerbungsgespräch zu überzeugen und aufzuzeigen, dass man mehr Beitragen kann als nur die Anforderungen der Stellenausschreibung zu erfüllen.

Bei meinen Bewerbungsgesprächen ist mir das immer wieder aufgefallen. Arbeitgeber konnten mit meinem Ausbildungsberuf nicht viel anfangen und es lag an mir zu erklären wieso ich qualifiziert bin die Stelle zu übernehmen und was ich dem Unternehmen darüber hinaus bieten kann.

Momentan reden alle über KI und dadurch sind die Themen Prozessoptimierung und Digitalisierung in den Unternehmen wieder mehr präsent. Für KfmDM gibt es gerade ein günstiges Fenster, denn in diesem Thema kann man mit seiner Expertise ansetzen.

  • Wie sehen die Prozesse aus?
  • Wie können Verbesserungen aussehen?
  • Wo und warum wird KI eingesetzt?
  • Lokal, per API, oder doch als Team Subscription
  • ...

Viele Unternehmen stellen sich diese Fragen zurzeit. Meiner Meinung nach wird die Nachfrage nach Personen, die wirtschaftliche Anforderungen und technische Hintergründe gleichermaßen verstehen und entsprechend beraten können, wachsen

Für wen lohnt es sich?

Der KfmDM ist für all diejenigen der richtige Ausbildungsberuf, die ein Interesse an der IT haben und diese gerne erklären. Wenn man Spaß daran hat Prozesse zu analysieren und anhand von Kennzahlen, die für den Betrieb relevant sind zu bewerten sowie zu optimieren. Außerdem hilft es gerne mit Menschen zu arbeiten. Ich denke im großen und ganzen sollte man sich eher als Allrounder verstehen und sich für viele Themen begeistern können, um in diesem Beruf aufzugehen.

Praxis-Tipps für Azubis vor der Wahl

Wenn man sich für diese Ausbildung entscheidet, dann kann ich nur empfehlen sich gut über den Betrieb zu informieren und auch beim Bewerbungsgespräch nachzufragen in welchen Bereichen man eingesetzt werden. Dann kann man abwägen, ob das der Bereich ist in dem man tiefere Expertise aufbauen möchte.

Darüber hinaus sollte man jedes Zertifikat, dass der Betrieb oder die Berufsschule anbietet mitnehmen. Der zusätzliche Beweis erworbener Kenntnisse macht die Jobsuche leichter.

Fazit

Ich bereue es nicht mich für diesen Ausbildungsberuf entschieden zu haben. Auch wenn die Datenlage damals recht dünn war, habe ich einen Beruf gefunden, der zu meiner Persönlichkeit passt. Im Privaten lassen sich die Kenntnisse auch sehr gut einsetzen sollte man daran Interesse haben. Ich verwalte zwei Server auf dem interne Anwendungen sowie öffentliche Anwendungen, wie dieser Blog laufen und unterstütze meinen Bekanntenkreis bei vielen Problemen in der IT - vom Zusammenstellen und Bauen eines neuen Computers - bis zu einem Python Skript, um den Bildschirm eines iPads auf einen Windows PC zu spiegeln.